Die Geburt des Chrysomeles
2021
für Violine, Viola, Violoncello, Klavier und Schlagwerk
ca. 26'
Hard Facts
- Auftragswerk – Österreichische Nationalbank & Ö1 & Musikverlag Doblinger
- im Rahmen des Erhalts des Kompositionspreises der Ö1 Talentebörse 2020
- Premiere – 25.Mai 2022, MuTh -Konzertsaal der Wiener Sängerknaben – Preisverleihungskonzert der Ö1 Talentebörse
- Musiker*innen des RSO Wien:
- Violine – Marianna Oczkowska
- Viola – Andjela Sibinovic
- Violoncello – Raffael Dolezal
- Schlagwerk – Georg Hasibeder
- Klavier – Veronika Kopjova
- Musiker*innen des RSO Wien:
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- Dirigentin – Tanja Elisa Glinsner
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- Die Premiere wurde von Ö1 aufgezeichnet und live gesendet.
- Ö1 – 9. Juni 2022: „Das Ö1 Konzert: Ö1 Talentebörse-Kompositionspreis “Chrysomeles” – Ö1 Musiksalon 2022“ (Ulla Pilz)
- CD-Einspielung “Wertvolle Klänge (OeNB Oesterreichische Nationalbank): Sophie Druml, Lara Kusztrich, Martin Kerschbaum, Vienna Classical Players”

„Die Geburt des Chrysomeles“ – im Juni 2020 von der Österreichischen Nationalbank im Rahmen des Kompositionspreises der Ö1 Talentebörse in Auftrag gegeben – befasst sich mit der mythologischen Figur des „Chrysomallos“ oder auch „Chrysomeles“.
Bei Chrysomeles handelt es sich um den Sohn des Poseidon und der Thrakerin Teophano, welcher als Widder mit goldenem Fell geboren wurde, das später als das goldene Vlies in weitere Sagenkreise einging. Jason stahl wiederum jenes, als er in Kolchis eindrang, ermordete den Bruder der Medea und verschleppte sie, um sie zu seiner Frau zu machen. Dem Vlies wurden magische Fähigkeiten zugeschrieben, es war das Heiligtum des Stammes um Kolchis gewesen und Medea die Zauberin, die Älteste, welche es behütete und damit rituellen Stammesbräuchen nachging.
Als Chrysomeles dem Ares – dem Kriegsgott – zum Opfer dargebracht wird, hinterlässt das goldene Vlies eine ewige Blutspur und fordert viele Tote.
Als wichtige Inspirationsquellen im Kompositionsprozess dienten der Komponistin unter anderem „Die Geburt der Tragödie“ von Friedrich Nietzsche, die Ideenlehre Platons wie auch Franz Grillparzers „Medea“. Letztere bildete zudem auch die Textgrundlage für Glinsners vorangehendes Werk „Scena di Medea“ für Streichquintett und Sprecherin, zu welchem mit der Arbeit an „Chrysomeles“ auch eine inhaltliche, wie auch musikalische Brücke geschlagen werden soll.
Die enge Verknüpfung der beiden Sagenkreise machte es für die Komponistin zu einem besonderen Anliegen, die beiden Werke auch im Konzertprogramm als kombinierbar zu wissen. In „Die Geburt des Chrysomeles“ wird über die Geburt des Chrysomeles – die Geburt eines Mythos – reflektiert. Am Anfang steht die bloße Andeutung eines Funkens, die Entzündung einer Idee – eines Geistes. Eine Metapher für die bloße Idee der Entstehung einer Seele, im weiten Sinne für die Geburt des Menschen – hier explizit des Geistes des Chrysomeles. Nach der Abspaltung der Seele von Zeus – dem Urschöpfer – treten die 7 Weisen vor die junge Seele hin (-durch die 7 Crotales symbolisiert -) um diese auf das schwierige Leben, welche sie vor sich hat, vorzubereiten. Ihre Kernbotschaft formt sich von zuerst kleinsten Bausteinen schließlich zu der Aussage:
„Wie der Philosoph zur Wirklichkeit des Daseins, so verhält sich der künstlerisch erregbare Mensch zur Wirklichkeit des Traums“ (aus: F.Nietzsches „Die Geburt der Tragödie“)
Die Seele reagiert mit Fragen, mit Zweifeln – erspürt einen tieferen Sinn hinter dieser Aussage – am Ende wird sie von einem der Weisen aufgefordert, dem Ruf zu folgen und sich schließlich als ein goldenes Opfer hinzugeben. So muss Chrysomeles sich opfern, um so dem eigentlichen Mythos seine Essenz zu geben:
das goldene Vlies.
Vom Nichtsein zum Nichtsein.
