"Eine Stimme steht im Dunkel wie ein verschleiertes Licht..."
4 Bilder nach Gedichten von Elisabeth Meinhard und Else Lasker-Schüler
2022
für Streichquartett, Schlagwerk und Altsolo
ca. 30'
Hard Facts
- Auftragswerk – Festival KirchKlang, Martin Haselböck
- Premiere – 04. Aug. 2022 / Oberwang (Konradfest)
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- im Rahmen des KirchKlang-Festivals
- Auner-Quartett
- Mezzosopran/ Dirigentin – Tanja Elisa Glinsner
- im Rahmen des KirchKlang-Festivals
- In Dankbarkeit Christoph U. Meier gewidmet.

Das Werk „Eine Stimme steht im Dunkel (wie ein verschleiertes Licht)…“ basiert auf den Gedichten „Die Stimme aus dem Dunkel“ von Elisabeth Meinhard und „Ankunft“ von Else Lasker-Schüler und ist der Darstellungsversuch einer immanenten psychisch-transzendenten Tendenz ausgehend von der Emotion eines Heimwehs hin – über die Projektionsversuche – zur Heimkehr.
„Aus gestorbenen Träumen“ heraus, begibt sich der Geist auf eine Suche – jede Sekunde, jeden Tag… das ganze Leben. Eine Suche nach dem Selbst: Durch den oftmals verzweifelten Versuch des Hörens eines vermeintlichen Rufes, der den eigenen Handlungen den Schein von Sinnhaftigkeit versprechen könnte.
Innerlich – als Konsequenz von psychologisch – archetypisch geprägten Mustern – oder im Außen – spirituell: in der religiösen Ausübung, in Gott, in rituellen Handlungen – oder durch die Projektion auf ein unsichtbares telepathisches Gegenüber: „Eine Stimme steht im Dunkel wie ein verschleiertes Gesicht“. Eine Stimme, die das Selbst ergreift und schließlich nach Hause ruft. (Introitus: „Tanzt die Sonne sich zu tod…“) Die rufende Stimme selbst bleibt – wie in einem auditiven Traum – unerkannt, doch der Geist begibt sich auf die Suche – der Mensch auf einen ihm vorherbestimmten und auf ihn abgestimmten Individuationsprozess. (Graduale: “Die Stimme aus dem Dunkel…“) Eine Suche voller Umwege, Hindernisse und Symbole. Jedes Symbol ein energetisches Universum – ein Leben für sich. Inmitten dieser: der suchende Mensch – eine Korrelation zur Realität herstellend versuchend.
Die Suche selbst – immer begleitet von Heimweh („Mir ist, als müßt’ ich im All meine sehnende Seele verschäumen.“) – und dem immerwährendem Zweifel einer tatsächlichen Möglichkeit zur Heimkehr. Die Textpassagen der beiden Gedichte beginnen ineinander zu fließen – bis im letzten, 4. Bild die Textzeilen „Ich bin am Ziel meines Herzens angelangt. Weiter führt kein Strahl. Hinter mir
lass ich die Welt, (…)“ erklingen. Solistisch – nur von einem schimmernden, obertonreichen, filigranen Klangteppich umgeben, welcher sich („O, wie mich leise eine süße Weise betönt…“) allerdings allmählich wieder zurück in die suchenden Passagen der ersten 3 Bilder „verwebt“ und schließlich fragend ausklingt.
Tanja Elisa Glinsner (2021)