„Die Nacht bricht ein…“

für Großes Ensemble und Mezzosopran

2021

( 1/1/1/1, 1(F)/1(B)/1/0, Schlgw. (1) Str. (1/1/1/1/1), Mzs.-Solo )

21' - 23'

Hard Facts

  • Auftragswerk – ORF Musikprotokoll/ Steirischer Herbst 2021
  • Premiere – 9. Okt. 2021, MUMUTH (Ligeti-Saal) / Graz
    • Ensemble Zeitfluss
    • Dirigent – Edo Micic

 

 

Ein barbarischer Tanz zwischen den Zeiten –

eine Frau betritt die Bühne.

 

„Die Nacht bricht ein.

Die Sterne steigen auf, mit mildem Licht herunterscheinend.

Dieselben heute, die sie gestern waren –

Als wäre alles heute, wie’s gestern war…“

 

Medea

 

in einer männerdominierten Gesellschaft, grausam zum psychischen Zusammenbruch geführt: verstoßen, entführt und betrogen.

Die Komposition – eine freie Bearbeitung des vorangegangen Streichquintetts Scena di Medea – bezieht leidenschaftlich Stellung für diese Frau, welche im verzweifelten Racheakt den Punkt äußerster Selbstverleugnung erreicht und letztlich dadurch zur Handelnden, zur Akteurin wird.

Als textliche Grundlage diente Franz S. Grillparzers Drama „Medea“, der dritte Teil der Trilogie „Das goldene Vlies“ aus dem Jahre 1819. Dabei ist die erarbeitete Textversion eine Collage, in der Themenfelder eine größere gliedernde Rolle spielen als die Chronologie des Dramas: Medeas Herkunft aus der Sphäre des Rituals – Jason, ihr Geliebter und Mörder ihres Bruders – der Fluch des Vaters, in welchem Jason eine Doppelrolle als Auslöser und Vollstrecker einnimmt – und schließlich der an Medea begangene Verrat.

Der fiktive Zeitpunkt der Szene befindet sich am Ende der eigentlichen Handlung, nach dem Mord Medeas an ihren eigenen Kindern: Sie beginnt, rückblickend über ihre gesamte Existenz zu reflektieren und in einem tranceartigen Zustand ihre Vergangenheit erneut zu durchleben – begleitet von anklagenden Stimmen aus dem Geisterreich:

Die Gesellschaft verdammt Medea.